Kartenabfrage: Anleitung, Ablauf und Beispiel für deinen Workshop
Die Kartenabfrage ist eine Moderationsmethode, bei der jede Person ihre Ideen einzeln aufschreibt, eine Idee pro Notiz, und die Gruppe sie anschließend an der Wand zu Themen ordnet. So kommt in kurzer Zeit zusammen, was eine ganze Gruppe denkt, und nicht nur das, was die Lautesten sagen.
In offenen Runden reden oft dieselben drei Personen, während der Rest schweigt. Bei der Kartenabfrage schreiben alle gleichzeitig und still. Jede Idee landet sichtbar an der Wand, und jede zählt gleich viel, egal von wem sie kommt.
Manche kennen die Methode auch als Metaplan-Technik, Moderationsmethode oder einfach als Clustern. Im Englischen heißt das Sortieren am Ende oft Affinity Mapping.
Was ist eine Kartenabfrage?

Die Methode stammt aus der Moderationstechnik, die in den 1970er-Jahren in Deutschland entwickelt wurde. Ihr Kern ist einfach: Erst schreibt jede Person für sich, dann wird gemeinsam sortiert, und erst ganz zum Schluss wird bewertet.
Diese Trennung macht den Unterschied. Wer zuerst allein schreibt, lässt sich nicht von der ersten lauten Meinung im Raum lenken. Und weil die Notizen meist ohne Namen an die Wand kommen, zählt der Gedanke und nicht die Person dahinter.
Hier geht es also weniger ums Diskutieren als ums Sichtbarmachen. Die Diskussion kommt später, und dann auf Grundlage von allem, was die Gruppe tatsächlich denkt.
Was du für eine Kartenabfrage brauchst
- Elektrostatische Haftnotizen für die Ideen, eine Idee pro Notiz
- Größere Notizen für die Überschriften der Cluster
- Kleine Notizen als Punkte für die Abstimmung am Ende
- Permanentmarker mit dicker Spitze, damit jede Notiz aus ein paar Metern lesbar bleibt
- Eine glatte Fläche: Whiteboard, Fenster, Tür oder ein faltbares Whiteboard
- 45 bis 60 Minuten, je nach Gruppengröße
Elektrostatische Notizen haben bei dieser Methode einen klaren Vorteil: Beim Clustern wandern sie mehrmals hin und her, und sie lassen sich dabei verschieben, ohne abgezogen und neu angeklebt zu werden. Mehr dazu steht in unserem Beitrag über elektrostatische Haftnotizen.
Die Kartenabfrage Schritt für Schritt

1. Frage formulieren (5 Minuten): Schreib eine offene, konkrete Frage gut sichtbar an die Wand. Je genauer die Frage, desto brauchbarer die Antworten. "Was können wir besser machen?" ist zu breit. "Was hält uns davon ab, Projekte pünktlich abzuschließen?" funktioniert.
2. Einzeln schreiben (5 bis 10 Minuten): Jede Person schreibt still für sich, eine Idee pro Notiz, in Druckschrift und mit höchstens drei Zeilen. Vermeide zwei Ideen auf einer Notiz, denn sie lassen sich später nicht getrennt zuordnen. Stattys Notes S und Stattys Square haben dafür genau die richtige Größe.
3. Einsammeln und vorlesen (10 Minuten): Die Moderation sammelt die Notizen ein, liest jede laut vor und bringt sie an der Wand an. Verständnisfragen sind erlaubt, Bewertungen noch nicht. So hört die ganze Gruppe jede Idee einmal, auch die leisen.
4. Clustern (10 bis 15 Minuten): Jetzt sortiert die Gruppe gemeinsam, was zusammengehört. Ähnliche Notizen wandern nebeneinander, doppelte übereinander. Lass die Gruppe sortieren und nicht die Moderation allein, denn genau beim Zuordnen entsteht das gemeinsame Verständnis.
5. Überschriften finden (5 Minuten): Gib jedem Cluster eine Überschrift auf einer größeren Notiz, etwa Stattys Notes M. Eine gute Überschrift fasst den Cluster in wenigen Worten zusammen, und genau daran zeigt sich, ob er wirklich zusammengehört.
6. Priorisieren (5 Minuten): Jede Person bekommt drei Punkte und verteilt sie auf die Cluster, die ihr am wichtigsten sind. Dafür eignen sich Stattys Notes XS als Klebepunkte, weil sie sich wieder abnehmen lassen, falls sich jemand umentscheidet. Danach ist sichtbar, wo die Gruppe ansetzen will.
7. Nächste Schritte festhalten (10 Minuten): Übersetz die zwei oder drei stärksten Cluster in konkrete Maßnahmen: Was passiert, wer kümmert sich darum, und bis wann? Ohne diesen Schritt bleibt auch die beste Wand eine Bestandsaufnahme.
So kann eine Kartenabfrage aussehen
Ein Team von zwölf Personen stellt fest, dass Entscheidungen bei ihnen zu lange dauern. Die Frage an der Wand lautet: "Warum dauern unsere Entscheidungen so lange?"
In acht Minuten entstehen rund 40 Notizen. Beim Vorlesen zeigt sich schnell, dass viele dasselbe meinen, nur mit anderen Worten. Nach dem Clustern bleiben vier Themen übrig:
- Zu viele Beteiligte
- Unklar, wer am Ende entscheidet
- Fehlende Vorbereitung vor Terminen
- Zu viele Abstimmungsrunden
Bei der Punktabfrage landen die meisten Punkte bei "Unklar, wer am Ende entscheidet". Das Team legt fest, dass künftig vor dem ersten Termin zu jedem Thema eine verantwortliche Person benannt wird. Das Ganze dauert knapp eine Stunde.
Auch außerhalb der Arbeit
Die Kartenabfrage funktioniert überall, wo eine Gruppe gemeinsam etwas klären will, und nicht nur im Büro.
Eine Kirchengemeinde plant zum Beispiel ihre Jugendarbeit für das nächste Jahr und fragt: "Was wünscht ihr euch von der Jugendgruppe?" Die Jugendlichen schreiben selbst, statt dass Erwachsene über sie sprechen. Gerade in Gruppen, in denen sich nicht alle trauen, etwas laut zu sagen, macht das einen großen Unterschied.
Genauso lässt sich die Methode im Unterricht, im Verein oder in einer Elternversammlung einsetzen.
Typische Fehler bei der Kartenabfrage
- Die Frage ist zu breit. Dann kommen Antworten zu allem, und nichts lässt sich sinnvoll ordnen.
- Es wird schon beim Schreiben diskutiert. Das bremst die Stillen aus, bevor sie überhaupt etwas notiert haben.
- Mehrere Ideen stehen auf einer Notiz. Sie lassen sich dann nicht getrennt zuordnen.
- Die Moderation clustert allein. Dann versteht am Ende nur eine Person, warum die Wand so aussieht.
- Es wird zu früh bewertet. Wer beim Vorlesen schon kommentiert, nimmt anderen den Mut, ihre Notiz zu zeigen.
Und wenn ein Teil der Gruppe remote dabei ist?
Eine Kartenabfrage lebt von der Wand im Raum. Sind einzelne Personen online dabei, schreiben sie ihre Ideen in den Chat, und eine Person im Raum überträgt sie auf Notizen an die Wand. Ein Foto der Wand nach jedem Schritt hält alle auf demselben Stand. Arbeitet die ganze Gruppe remote, ist ein digitales Whiteboard die bessere Wahl.
Material für deine nächste Kartenabfrage

Stattys Notes S (10 x 7 cm) – Elektrostatische Notizzettel für Planung & Struktur
Die klassische Größe zum Sammeln von Ideen. Eine Idee passt bequem darauf, und die Notiz bleibt quer durch den Raum lesbar. Wenn du regelmäßig Kartenabfragen machst, ist das die Größe, die immer vorrätig sein sollte.

Stattys Square (7,2 × 7,2 cm) – Elektrostatische Notizzettel zum Clustern & Priorisieren
Genauso gut zum Sammeln von Ideen. Das quadratische Format lässt sich in sauberen Reihen und Spalten anordnen, und es ist etwas kleiner als S, sodass mehr Ideen auf eine Fläche passen.

Stattys Notes M (20 × 10 cm) – Elektrostatische Notizzettel für große Ideen & Pläne
Ideal für das Clustern. Schreib die Überschrift jedes Clusters auf eine M-Notiz und setz sie über die Notizen, die dazugehören. Mit 20 × 10 cm bleibt sie quer durch den Raum lesbar, so kann die ganze Gruppe verfolgen, wie die Wand geordnet ist.
Häufige Fragen
Wie viele Personen eignen sich für eine Kartenabfrage? Gut funktioniert sie mit fünf bis zwanzig Personen. Bei größeren Gruppen teilst du am besten in kleinere Runden auf und führst die Ergebnisse danach zusammen.
Wie lange dauert eine Kartenabfrage? Je nach Gruppengröße 45 bis 60 Minuten. Die einzelnen Schritte sind oben mit Zeiten angegeben.
Schreiben die Teilnehmenden ihren Namen auf die Notiz? In der Regel nicht. Ohne Namen zählt die Idee und nicht die Person, und auch kritische Punkte kommen eher auf den Tisch.
Was ist der Unterschied zwischen Kartenabfrage und Brainstorming? Beim klassischen Brainstorming werden Ideen laut in die Runde gerufen. Bei der Kartenabfrage schreibt jede Person zuerst für sich. Dadurch kommen auch die Gedanken der Stillen an die Wand.
Welche Stifte eignen sich? Permanentmarker mit dicker Spitze. Sie sind auch aus der Entfernung gut lesbar und greifen die Notizen nicht an.