Business Model You Canvas: Vorlage, Anleitung und die 9 Bausteine
Das Business Model You Canvas ist eine Vorlage, mit der du dein Arbeitsleben auf einer Seite abbildest, so wie ein Unternehmen sein Geschäftsmodell. Es überträgt die neun Bausteine des Business Model Canvas auf eine einzelne Person. So siehst du, was du anbietest, für wen, und was es dich kostet.
Es hilft immer dann, wenn eine berufliche Frage zu groß ist, um sie auf einmal zu durchdenken: ein Jobwechsel, eine Beförderung, der Schritt in die Selbstständigkeit oder einfach das Gefühl, dass die Arbeit nicht mehr passt. Das Canvas zerlegt diese Frage in neun kleinere, die du tatsächlich beantworten kannst.
Manche nennen es auch persönliches Geschäftsmodell Canvas oder Personal Business Model Canvas.
Was ist das Business Model You Canvas?
Es stammt aus dem Buch Business Model You von Tim Clark, geschrieben zusammen mit Alexander Osterwalder und Yves Pigneur, den Autoren des ursprünglichen Business Model Canvas. Die Idee dahinter ist einfach: Wenn ein Canvas beschreiben kann, wie ein Unternehmen Wert schafft, dann kann es das auch für einen Menschen.
Der Unterschied liegt darin, was in die Felder kommt. Ein Unternehmen trägt Produkte und Einnahmequellen ein. Du trägst deine Fähigkeiten ein, die Menschen, die auf deine Arbeit angewiesen sind, und das, was du zurückbekommst, auch jenseits von Geld.
Genau das macht es zu mehr als einem Lebenslauf im Posterformat. Es fragt nicht nur, was deine Arbeit einbringt, sondern auch, was sie dich kostet.
Die 9 Bausteine im Überblick

Das Canvas liest sich in drei Teilen. Die rechte Seite dreht sich um die Menschen, für die du arbeitest. Die linke Seite zeigt, wie du die Arbeit machst. Die untere Reihe stellt gegenüber, was du gibst und was du bekommst.
Die Namen der Felder stehen hier so, wie sie auf dem Poster gedruckt sind.
1. Wem helfen Sie (Kunden): Für wen schaffst du Wert? Wer ist dein wichtigster Kunde? Wer ist auf deine Arbeit angewiesen, um die eigene Aufgabe zu erledigen?
2. Wie Sie helfen (Angebotener Wert): Welchen Wert lieferst du? Welches Problem löst du, welches Bedürfnis erfüllst du? Welche konkreten Vorteile haben Menschen durch deine Arbeit?
3. Wie man Sie kennenlernt und wie Sie liefern (Kanäle): Wie erfahren Menschen von dir, wie prüfen sie, ob du helfen kannst, wie beauftragen sie dich, und wie erhalten sie deine Arbeit?
4. Ihr Umgang mit anderen (Kundenbeziehungen): Welche Art von Beziehung erwarten die Menschen, für die du arbeitest? Wie unterstützt du sie auch nach getaner Arbeit?
5. Was Sie bekommen (Einnahmen und Vorteile): Wofür sind Menschen wirklich bereit zu zahlen? Dazu gehören harte Faktoren wie Gehalt und Honorar, aber auch weiche wie Zufriedenheit, Anerkennung und Entwicklung.
6. Wer Sie sind und was Sie haben (Schlüsselressourcen): Was begeistert dich am meisten an deiner Arbeit? Arbeitest du lieber mit Menschen, mit Informationen und Ideen oder mit physischen Dingen? Welche Fähigkeiten fallen dir leicht, welche Fertigkeiten hast du gelernt? Was hast du sonst, etwa dein Netzwerk, deinen Ruf und deine Erfahrung?
7. Was Sie machen (Schlüsselaktivitäten): Welche entscheidenden Tätigkeiten übst du aus, die deine Arbeit von anderen unterscheiden?
8. Wer Sie unterstützt (Schlüsselpartner): Wer hilft dir dabei, Wert zu schaffen, und wie? Dazu zählen Kolleg:innen, Mentor:innen, Familie und berufliche Netzwerke.
9. Was Sie geben (Kosten): Was steckst du in deine Arbeit, etwa Zeit und Energie? Worauf verzichtest du dafür? Welche Tätigkeiten kosten dich am meisten Kraft?
Wie füllst du ein Business Model You Canvas aus?
Fang bei dir selbst an, nicht beim Job. Diese Reihenfolge hat sich im Coaching bewährt:
- Zuerst: Wer Sie sind und was Sie haben. Das ist das eine Feld, das niemand für dich beantworten kann, und es trägt alles andere.
- Dann: Wem helfen Sie und Wie Sie helfen. Die beiden gehören zusammen. Wer bekommt was von dir?
- Dann: Wie man Sie kennenlernt und Ihr Umgang mit anderen. Jetzt siehst du, wie dein Wert bei den Menschen ankommt.
- Dann: Was Sie machen und Wer Sie unterstützt. Das ist die Arbeit hinter dem Wert.
- Zum Schluss: Was Sie geben und Was Sie bekommen. Lass die untere Reihe liegen, bis der Rest steht.
Allein kann das etwa eine Stunde dauern, mit Begleitung eine ganze Coaching-Sitzung.
Die Reihe, auf die es ankommt
Die meisten füllen den oberen Teil schnell aus und werden unten langsamer. Genau dort liegt meistens die eigentliche Antwort.
Stell Was Sie geben und Was Sie bekommen nebeneinander und vergleiche ehrlich. Wenn Zeit, Energie und Stress alles überwiegen, was zurückkommt, die weichen Faktoren eingeschlossen, dann hat dir das Canvas gerade etwas gezeigt, das kein Lebenslauf zeigen würde.
Aus diesem Vergleich ergibt sich auch der nächste Schritt. Selten musst du alle Felder ändern. Meist genügen ein oder zwei Verschiebungen, eine andere Zielgruppe oder ein anderer Kanal, und die ganze Reihe kommt wieder ins Gleichgewicht.
Wie arbeitest du damit im Coaching oder Workshop?

Schreib nicht direkt auf das Canvas. Ein Berufsweg gelingt selten im ersten Anlauf, und Tinte legt Menschen zu früh fest.
Arbeite stattdessen mit elektrostatischen Haftnotizen. Schreib eine Antwort pro Notiz und setz sie ins passende Feld. Ändert sich im Gespräch etwas, verschiebst du die Notiz, statt etwas durchzustreichen.
Dafür eignen sich Stattys Notes S, und mit Stattys Square passen mehr Antworten in die kleineren Felder. Beide haften ohne Kleber und hinterlassen keine Rückstände auf dem Poster. Mehr dazu steht in unserem Beitrag über elektrostatische Haftnotizen.
Ein zweiter Tipp aus der Coaching-Praxis: Arbeite mit zwei Canvases. Füll das erste mit dem Ist-Zustand und übertrag dann die Notizen, die bleiben sollen, auf ein zweites für den Soll-Zustand. Der Abstand zwischen beiden wird zu deinem Plan.
Wann lohnt sich das Canvas?
Es passt gut bei:
- Berufswechseln, wenn klar ist, dass sich etwas ändern soll, aber nicht was
- Coaching-Sitzungen, die Struktur brauchen, ohne sich wie ein Formular anzufühlen
- Entwicklungsgesprächen, in denen Mitarbeitende ihren eigenen Wert für das Team abbilden
- dem Schritt in die Selbstständigkeit, wenn plötzlich Kund:innen, Kanäle und Preise gefragt sind
- Studierenden und Berufseinsteiger:innen, die herausfinden wollen, wo ihre Fähigkeiten hinpassen
Weniger gut passt es für die Detailplanung. Wenn klar ist, was sich ändern soll, brauchst du danach weiterhin einen konkreten Plan mit Schritten und Terminen.
Business Model You oder Business Model Canvas?
Beide folgen derselben Logik mit neun Bausteinen, beschreiben aber Unterschiedliches.
Das Business Model Canvas beschreibt eine Organisation: ihre Kund:innen, Produkte und Einnahmen. Das Business Model You Canvas beschreibt eine Person: ihre Fähigkeiten, die Menschen, denen sie hilft, und was ihre Arbeit ihr zurückgibt.
Planst du ein Unternehmen oder ein Produkt, nimm das Business Model Canvas. Geht es um deine eigene Arbeit, nimm Business Model You.
Woher du das Canvas bekommst

Wir drucken das Business Model You Canvas als Poster. So könnt ihr, du und dein Coach oder dein Team, gemeinsam davorstehen und mit Notizen arbeiten, statt über einem Blatt Papier zu brüten. Alle neun Felder und ihre Leitfragen sind aufgedruckt.
Business Model You Canvas – Visuelles Tool für persönliche Strategie
Zusammen mit Stattys Notes S oder Stattys Square hast du alles, was die Sitzung braucht.
Häufige Fragen
Wie viele Bausteine hat das Business Model You Canvas? Neun, genauso viele wie das Business Model Canvas, angepasst auf eine Person.
Wie lange dauert das Ausfüllen? Allein etwa eine Stunde. Mit Coach plane eine ganze Sitzung ein, damit Zeit bleibt, über das Ergebnis zu sprechen.
Brauche ich das Buch, um das Canvas zu nutzen? Nein. Das Canvas funktioniert für sich, die Leitfragen sind aufgedruckt. Das Buch geht tiefer, wenn du die ganze Methode kennenlernen willst.
Ist es nur für Menschen, die den Beruf wechseln? Nein. Es hilft genauso, den aktuellen Job besser zu verstehen, ein Entwicklungsgespräch vorzubereiten oder die eigene Rolle anderen zu erklären.
Ist Business Model You dasselbe wie das Business Model Canvas? Nein. Beide haben denselben Aufbau, aber das Business Model Canvas beschreibt eine Organisation, Business Model You eine Person.
Das persönliche Geschäftsmodell Canvas wird von BusinessModelYou.com als abgeleitetes Werk von BusinessModelGeneration.com veröffentlicht und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported.